Maskeneule
Phodilus badius
Die Maskeneule ist eine äußerst scheue Art, die ausschließlich nachtaktiv und somit sehr schwer zu finden ist. Am Kinabatangan Fluss auf Borneo aber sollten wir das Glück haben, sie zu sehen. Natürlich nicht, ohne gewisse Anstrengungen...
Wir saßen gemütlich beim Abendessen, direkt am Ufer des Kinabatangan Flusses, als wir den Ruf einer Maskeneule direkt hinter unserem Bungalow hörten. Was für eine erfreuliche Überraschung! Wir ließen umgehend das Besteck fallen, holten Kamera und Taschenlampe und folgten dem Ruf. Lediglich mit T-Shirt, kurzen Hosen und Badelatschen bekleidet, mussten wir ihr bei völliger Dunkelheit tief in den Dschungel und durch das Unterholz folgen. Nicht lange, und wir machten Bekanntschaft mit Borneos Feuerameisen und Blutegeln — ziemlich unangenehme kleine Kreaturen.
Plötzlich sahen wir unseren Guide Romsi, der vorausgegangen war, mit der Taschenlampe kurz aufblinken — er schien die Eule entdeckt zu haben, gut 30 m vor uns, mitten im dornigen Gestrüpp. Doch im entscheidenden Moment versagte mein Autofokus, und sie war wieder weg. Drei-, viermal wechselte sie die Richtung, bevor wir sie endlich wieder erreichten: keine 3 m vor uns auf einem Ast. Diesmal funktionierte der Fokus, und die ersehnten Bilder waren im Kasten.
Am Ende brauchten wir über anderthalb Stunden für diese Aufnahmen — mehrfach von Feuerameisen gebissen, Blutegel an den Beinen, Kratzer am ganzen Körper und durchgeschwitzt bis auf die Haut. Aber die Bilder hatten wir 😊
Malaienbindenpitta
Hydrornis irena
Pittas sind meine absoluten Lieblingsarten — wunderschöne Vögel mit einem gewissen Charakter. Sie leben einzelgängerisch versteckt in unterholzreichen Regenwäldern, Bambusdickichten und Mangroven, meist in der Nähe fließender Gewässer, im Gebirge bis in Höhen von 2500 Metern. Ein gewisser Aufwand ist also vorprogrammiert.
Also ging es in den Sri Phang-Nga Nationalpark im Süden Thailands, wo während der Brutzeit die Malaiische Bindenpitta vorkommen soll — nach einer 14-stündigen Autofahrt quer durch mehrere Kleinstädte und Bangkok. Nach zweistündiger Wanderung erreichten wir einen Flusslauf, den wir dreimal überqueren mussten, von Stein zu Stein springend, Kamera, Fernglas, Stativ und vollem Rucksack im Gepäck. Dabei rutschte unser Guide aus und landete samt Kamera im Wasser — Kamera und Objektiv waren hinüber.
Am zweiten Flusslauf flog plötzlich ein Asiatischer Paradiesschnäpper vorbei, ein "white morph", den ich nie zuvor fotografieren konnte. Hektisch wollte ich ein paar Bilder machen — und rutschte selbst ins Wasser, komplett untergetaucht, konnte aber Kamera und Objektiv trocken halten. Am dritten Flusslauf angekommen, bauten wir das Pop-up-Zelt auf, warteten keine Stunde, und ein wunderschönes Männchen tauchte auf.
Am nächsten Morgen ging es zurück, um auch das Weibchen zu sehen — vier Stunden warteten wir bei glühender Hitze im Zelt, bis es endlich soweit war 😊
Blaupitta
Hydrornis cyaneus
Man hat ja so seine "Most wanted"-Liste — Arten, die man unbedingt sehen und fotografieren möchte. Die schöne Blaupitta stand über drei Jahre lang als Nummer eins auf meiner Liste.
Sie ist ein echter "Skulker", unheimlich schwer zu fassen, und lebt sehr versteckt im tiefen Dschungel. Als ein Männchen im nahen Khao Yai Nationalpark gesichtet wurde, konnte ich wegen meines Jobs nur sonntags suchen — also verbrachte ich während der Brutzeit jeden Sonntag rund zehn Stunden bei 30-35°C in meinem kleinen Pop-up-Zelt. Ich hörte sie oft rufen, sah sie aber nie. Dieses Jahr wartete ich umsonst rund 120 Stunden, das Jahr darauf noch einmal 120 Stunden — macht rund 250 Stunden Warten in zwei Jahren.
Ein weiteres Jahr später hörte ich, dass ein Männchen im Kaeng Krachan Nationalpark gesichtet wurde. Sonntagmorgen früh vor Ort, Zelt und Stativ aufgebaut, dann bemerkte ich, dass ich mein Remote-Kabel im Auto vergessen hatte. Als ich es 20 Minuten später zurückholte, sah ich durch das kleine Guckloch etwas Blaues herumhüpfen — er war es tatsächlich! Vor lauter Nervosität bekam ich den Kabelstecker kaum angeschlossen, machte erstmal 30-40 Fotos ohne auf die Einstellungen zu achten. Zum Glück saß er ruhig fünf Minuten da, und ich konnte endlich die lang ersehnten Bilder machen.
Riesenschwalm (Riesenfroschmaul)
Batrachostomus auritus
Der seltene und bedrohte Riesenfroschmaul ist ein nachtaktiver, 40 cm langer Vogel aus der Familie der Eulenschwalme, der in Regen- und Sekundärwäldern auf Sumatra, Borneo und in Malaysia lebt. Tagsüber ruht er in den Bäumen, nachts jagt er von einem Ansitz aus Skorpione, Tausendfüßer, Schnecken, Reptilien, Amphibien, kleine Vögel und Nagetiere. Am Kinabatangan Fluss auf Borneo sollten wir endlich die Gelegenheit bekommen, ihn zu sehen.
Kurz nach Einbruch der Nacht ging es mit dem schmalen Boot los, in dem man nur hintereinander sitzen kann. Nach rund 20 Minuten leuchteten am Ufer im Licht der Taschenlampe zwei Augen auf — vielleicht ein Krokodil. Wir hielten kurz vor dem Ufer, der Bootsführer machte die Taschenlampe an, und ich erschrak: Was ich für ein ein Meter langes Krokodil hielt, war nur sein Kopf — dahinter kamen noch 3-4 Meter mehr. Ein ausgewachsenes Leistenkrokodil. Es sprang erschrocken ins Wasser, erwischte uns mit dem Schwanz am Boot, und wir wurden alle klatschnass.
Rund 30 Meter weiter mussten wir aussteigen und knöcheltief im Schlamm der Mangroven, das Krokodil im Hinterkopf, rund 50 Meter zu einem Baum kämpfen, auf dessen Ast der Riesenfroschmaul saß. Der Bootsführer machte kurz die Taschenlampe an, und ich konnte endlich ein paar Bilder von unserem begehrten Ziel machen 😊
Augenwachtel
Caloperdix oculeus
Eines Tages die Nachricht: Im Kaeng Krachan Nationalpark wurde eine Augenwachtel gesichtet — jahrelang war in Thailand keine mehr gesehen worden. Diese seltene, scheue und bedrohte Art ist die einzige rezente Vertreterin ihrer Gattung und kommt nur in Südostasien vor, ihr Lebensraum schwindet zunehmend. Wegen Hochsaison im Geschäft mussten wir unser Vorhaben erstmal zurückstellen, während meine Nervosität mit jeder Woche stieg, in der ich Bilder der Wachtel in Facebook-Gruppen sah.
Endlich konnte ich zwei Tage freinehmen. Am Eingang des Nationalparks dann der Schock: ein Ranger berichtete, die Augenwachtel sei seit drei Tagen nicht mehr gesehen worden. Wir versuchten trotzdem unser Glück, wanderten zwei Stunden zum vermuteten Ort, bauten unser Hide auf — und warteten. Stundenlang tat sich nichts, die Hoffnung schwand mit jeder Stunde. Erst gegen 15 Uhr raschelte es im Gebüsch, und sie stand nur wenige Meter vor uns. Kurz darauf raschelte es erneut, und eine zweite Wachtel erschien — diese sonst fast immer einzeln gesehene Art im Doppelpack!
Bilder dieser scheuen Augenwachtel sind im Taschenbuch "The 100 Best Bird Watching Sites in Southeast Asia" von Yong Ding Li und Low Bing Wen erschienen.